Thiem202018-07-02T12:11:28+00:00

Das Thiem20.

Chronik – Von der Tanzmusikklasse zur Jazz-Rock-Pop-Abteilung

Ende der 60iger Jahre war in der damaligen DDR der Bedarf an ausgebildeten Tanzmusikern recht groß. Um als „Tanzkapelle“ öffentlich auftreten zu können, benötigte man eine sogenannte „Einstufung“. Diese Einstufungen wurden von einer Kommission in den Kategorien „Grund“-, „Ober“- u. Sonderstufe sowie Profi-Band vergeben. Diese Einstufungen hatten wiederum einen direkten Einfluss auf das Honorar der Musiker und so waren viele Musiker bestrebt, durch den Musikunterricht ihre musikalischen Fähigkeiten auszubauen und damit die Chancen für die angestrebte Einstufung zu verbessern. Zum Schuljahresbeginn 1967 wurde durch den damaligen Direktor der Telemann-Musikschule der Auftrag erteilt, eine „Tanzmusikklasse“ ins Leben zu rufen. Die ersten Lehrer waren praktizierende Musiker wie zum Beispiel Alfred Emmelmann.  Er leitete von 1954-61 das Orchester „Rot-Weiß“ im Kristallpalast und schrieb dafür auch alle Arrangements selbst. 1968 hatte diese Klasse bereits 40 Schüler, dies entsprach 5 % der Gesamtschülerzahl der Magdeburger Musikschule. Damit man Schüler dieser Tanzmusikklasse werden konnte, musste man genau wie in den klassischen Fächern eine Aufnahmeprüfung ablegen. Von Anfang an wurde nach Lehrplan unterrichtet und am Jahresende waren Prüfungen Pflicht. Das Angebot umfasste die Blasinstrumente Saxophon, Posaune, Trompete sowie die Fächer Gesang, Klavier, Gitarre, Bassgitarre und Schlagzeug. 1973 war die Tanzmusikklasse auf 65 Schüler gewachsen, was einen Anteil von 7,5% an der Gesamtschülerzahl ausmachte. Da die Hochschulausbildung noch nicht sehr lange existierte und somit noch keine Absolventen als Lehrer zur Verfügung standen, wurde großer Wert auf die Weiterbildung der vorhandenen Lehrer gelegt. Die Dozenten kamen meist von der Hochschule aus Leipzig, die zu dieser Zeit bereits über eine Abteilung Tanzmusik verfügte. Im November 1973 übernahm Wolfgang Kirchner die Leitung der Tanzmusikklasse. Dank seines Engagements wurde 1977 die Zentrale Fachkommission für Tanzmusik in Magdeburg etabliert. Diese Kommission war für die Weiterentwicklung und Einhaltung des Lehrplans in der ganzen DDR zuständig und wurde von ihm geleitet. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine rege Rockszene in Magdeburg, deren Musiker fast alle die Ausbildung an der Telemann-Musikschule absolviert hatten. Entweder bereiteten sie sich damit auf ein Musikstudium vor oder absolvierten die Prüfung für einen Berufsausweis. Die Prüfungen für diesen Ausweis wurden zentral abgenommen und beinhalteten neben dem Instrumentalteil auf mindestens Oberstufenniveau eine Prüfung in Gehörbildung/Tonsatz, Formen- und Instrumentenlehre und Kulturpolitik! Dies hatte nachhaltigen Einfluss auf die musikalische Qualität der Bands. So wurden Bands in Magdeburg gegründet, die in der ganzen DDR bekannt waren wie z.B. Magdeburg, Reform, Scheselong, Reggae Play. Einige Magdeburger Bands konnten bei der einzigen Plattenfirma der DDR „AMIGA“ Schallplatten produzieren.  Durch den Umzug der Abteilung 1982 in eine Wohnung am Hasselbachplatz und die damit verbundenen engeren Kontakte unter den Lehrkräften verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Tanzmusikabteilung. 1990 hielten auf Anregung des damaligen Direktors die ersten Musikcomputer in der Abteilung Tanzmusik Einzug. Damals war die Telemann-Musikschule die erste Projektschule in den neuen Bundesländern, die sich mit Notation und Sequenzing beschäftigte. Die damals sehr jungen Lehrer der Jazz-Rock-Pop-Abteilung nahmen sich sofort dieser Technik an und nutzen diese noch heute.  Ein Umzug 1992 in die Baracken der ehemaligen Sportmedizin in der Wilhelm-Kobelt-Strasse sorgte für den nötigen Raumzuwachs, denn die Schülerzahlen sind seitdem stetig gestiegen.
Seit 1995 leitet Detlef Gralka den Fachbereich Jazz-Rock-Pop. Die Abteilung bietet mittlerweile die Ausbildung in allen gängigen Instrumenten an und kann viele Projekte wie Bandunterricht, Aufnahmen im Studio, Musicalproduktion, Big Band uvm. anbieten. Neben der Instrumental- und Gesangsausbildung wird auch das Unterrichtsfach Gehörbildung/Tonsatz angeboten. Schüler der Abteilung studieren an Universitäten und Fachhochschulen und beteiligen sich an einer Vielzahl von Wettbewerben wie „Jugend musiziert“. Mit dem Einzug der Jazz-Rock-Pop Abteilung in die ehemalige Feuerwache am Thiem20 haben sich die Unterrichtsbedingungen um ein Vielfaches verbessert.

Thiem20
Umbau von Thiem20

Gebäudeumbau

Als im Sommer 2001 die Feuerwehr am Thiemplatz auszog, war die Idee, dort mit der Jazz-Rock-Pop- Abteilung einzuziehen, schnell geboren.

Die ersten Kontakte mit dem Vater eines Schülers, zufällig Architekt und bekennender Buckauer sorgten dafür, diese Idee nicht sofort wegen Undurchführbarkeit zu verwerfen.
Unzählige Gespräche , jahrelanges Werben für diese Idee bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung,
viele Verwaltungsvorlagen und ein Zusammengehen mit der Jugendkunstschule waren nötig, um 2005 den Bau zu starten.

Am 11/12 .4.2006 zogen wir aus der Baracke in der Kobeltstraße (Musikschule) und der alten Villa in der Klewitzstraße (Kunstschule) in unser „ Haus für junge Kunst“.

Unser Studio

Wir verfügen im Haus über ein kleines 16-Spur –digital- Studio. Es wird genutzt von unseren Musikschulbands, Orchestern des Konservatoriums und für ausgewählte Projekte.
Es soll den fortgeschrittenen Schüler die Möglichkeit geben, sich an die Studioatmosphäre zu gewöhnen, bevor es in ein „richtiges“ Studio geht.
Die Aufnahmen dienen den Schülern und Bands als Demo, aber auch zur Kontrolle, denn ein Mikrophon lügt nicht…